Unser Redebeitrag zur Seebrücke-Demo in Leipzig am 04.08.2018

Den Redebeitrag zur Seebrücke-Demo in Leipzig vom 04.08.2018 könnt Ihr hier sehen. Mit freundlicher Genehmigung von L-IZ.de

Unter dem Video könnt Ihr den Beitrag auch nachlesen.

 

Leipzig, ach Leipzig! Du beschreibst Dich selbst als „weltoffen“, als „bunt“ und „vielfältig“. Was für Wörter. Worthülsen, die uns und der Welt vormachen sollen, dass Du Dich darum kümmerst, wie es Menschen geht, die Dich in Deinen Augen „bunter“ machen. Auf diese leeren Hüllen können wir verzichten!

Was wir aber richtig stark finden: Leipzig, Du bist „Solidarity City“!
Damit hast Du Dich abseits aller Worthülsen selbst verpflichtet, Geflüchtete aufzunehmen! Und gerade jetzt sitzen Geflüchtete auf Schiffen im Mittelmeer und warten auf unsere Solidarität, darauf, dass sie endlich diese Schiffe verlassen können. Wir übertreiben nicht, wenn wir vermuten, dass wahrscheinlich gerade jetzt ein Boot mit Geflüchteten an Bord in Seenot ist. Solidarity City Leipzig, genau jetzt brauchen Menschen unsere Solidarität.

Aber: wir merken davon nichts. Wo ist denn Deine Solidarität? Wo sind Deine Beschlüsse, die Menschen in Seenot helfen, die Menschen helfen, die keinen sicheren Hafen finden, weil sie kein Land, keine Stadt haben will??
Leipzig, es reicht nicht, zu versprechen, es reicht nicht, sich mit Worten zu schmücken und auf bunten Websites in guter Gesellschaft zu wähnen. Leipzig, zeig, dass Du Dein Versprechen hältst, dass Du der sichere Hafen bist, der Du vorgibst zu sein!
Wir vom Initiativkreis:Menschen.Würdig. fordern Dich auf: nimm endlich Geflüchtete in Seenot auf!

Und eins lass Dir gesagt sein: wir lassen uns nicht abspeisen mit schalen Argumenten, es gäbe ja keinen Wohnraum für alle hier.
Ja, Tatsache, der Wohnraum wird knapp. Für alle. Das ist nun lange schon keine Überraschung mehr. Aber anstatt dies als Abwehrargument zu nutzen, wie auch schon bei der Einführung der repressiven Wohnsitzauflage, um keine Versprechen einhalten zu müssen, muss sich hier etwas tun! Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum und eine Stadt, die ihre Immobilien gegenüber Spekulant*innten verteidigt. Dazu gehört, dass der soziale Wohnungsbau endlich forciert und alternative Wohnformen gefördert werden müssen!
Das kann dauern, ja, und hilft den Menschen in Seenot nicht akut weiter. Das wissen wir. Was wir aber auch wissen: die Gemeinschaftsunterkünfte wurden nach dem sogenannten „summer of migration“ 2015 stark ausgebaut.
Und nun? Stehen sie leer! Sie werden sogar geschlossen und umfunktioniert. Also, Leipzig, es IST Platz da!
Wir fordern, dass die geschaffenen Wohnraum-Kapazitäten endlich genutzt werden!

Aber sie müssen sinnvoll genutzt werden. Der IKMW streitet seit Jahren dafür, dass das System der „Gemeinschaftsunterkünfte“ wie es jetzt ist,
endlich abgeschafft wird. Wir lehnen die ordnungspolitischen Überlegungen ab, die es Menschen untersagen, selbstbestimmt zu leben. Warum
können Menschen in ihrem Wohnraum nicht selbst entscheiden, wie sie leben und wohnen möchten, so, wie sie es wünschen? Die leeren Leipziger
Gemeinschaftsunterkünfte werden doch ohnehin schon umgenutzt und zum Beispiel zu Kindergärten umfunktioniert.

Was spricht dagegen, die Räumlichkeiten umzuwandeln, zum Beispiel in freie Wohnprojekte, in denen Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete gemeinschaftlich wohnen können?

Unsere Forderungen noch einmal:
– Leipzig soll Geflüchtete in Seenot aufnehmen!
– Leere Gemeinschaftsunterkünfte nutzen, statt auf Wohnraumknappheit pochen!
– Gemeinschaftsunterkünfte nicht mehr ordnungspolitisch führen, sondern für selbstbestimmtes Wohnen umnutzen!
– Sozialen Wohnungsbau forcieren!

Na dann Leipzig, lass aus Worten Taten folgen!

Dein Initiativkreis: Menschen.Würdig.