Aktionstag gegen das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS)

Kurz vor dem Stichtag der Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) organisierte der Menschen.Würdig e.V. gemeinsam mit dem Dölzig Network, ROSA und anderen Organisationen den GEAS Aktionstag. 

Mit der GEAS-Reform schottet sich Europa weiter ab, an den Außengrenzen werden dadurch menschenunwürdige Praktiken und Unterbringungsbedingungen legalisiert. Gleichzeitig bedeutet die Reform eventuell, dass Organisationen wie Menschen.Würdig Asylsuchende weniger unterstützen können, weil die Migrierenden an den Außengrenze in Hotspots isoliert werden. Deutsche Institutionen setzen dabei alle Hebel in Bewegung, um die europäischen Vorgaben mit besonderer Härte in geltendes Recht zu überführen. Die angewendeten Repressalien limitieren nicht nur die Bewegungsfreiheit der Betroffenen massiv, sondern schränken gesellschaftliche und soziale Zugänge und Handlungsspielräume weiter ein. Durch die Veranstaltung zeigten die Teilnehmenden und Organisator*innen, dass sie die fortschreitende Entrechtung von Menschen auf der Flucht nicht hinnehmen.

Verschiedene Organisationen stellten beim Aktionstag ihre Arbeit vor und die Auswirkungen, die GEAS darauf haben wird. Menschen.Würdig nahm mit einem Infostand teil. Hier stellten wir Zines vor, die von Betroffenen geschrieben und gestaltet worden waren. Immer wieder wurde während der Veranstaltung klar: Es gibt viele Möglichkeiten für praktische Solidarität, nicht nur der Menschen.Würdig e.V. wird weiterhin Aslyberatungen anbieten, dezentrale Unterbringen fordern und soziale Integration ermöglichen. Auch andere Leipziger Vereine sind aktiv und setzen sich für eine solidarische Gesellschaft ein, in der alle Menschen sich frei über Grenzen hinweg bewegen können.

Globaler Gedenktag CommemorAction


Anlässlich des globalen Gedenktag CommemorAction für die Toten und Verschwundenen an den europäischen Außengrenzen beteiligte sich auch Menschen.Würdig e.V. an einer Informationsveranstaltung und Kundgebung.

Am 6. Februar 2014 versuchten mehr als 200 Menschen, die spanische Enklave Ceuta schwimmend zu erreichen und wurden brutal von der Grenzpolizei massakriert. 15 Leichen konnten geborgen werden, Dutzende weitere sind seitdem verschwunden. Dies ist nur eines der vielen Massaker, Schiffbrüche und bewussten Ertrinkenlassen auf dem Mittelmeer, Atlantik und Ärmelkanal in den letzten Jahrzehnten. Deshalb organisiert ein transnationales Netzwerk von Angehörigen zusammen jedes Jahr den Gedenktag „CommemorAction“. Am 6. Februar 2026 nahmen Menschen in über 50 Städten und 20 Ländern an den Aktionen teil.

Auch in Leipzig zeigten wir Solidarität mit den Angehörigen der Opfer und mit den Überlebenden des europäischen Grenz- und Überwachungsregimes. Dazu gehörte ein Vortrag und eine Ausstellung mit verschiedenen Augenzeugenberichten von Schiffsbrüchen und Massakern der letzten Jahre. Im Anschluss fand im Rabet eine Gedenkveranstaltung statt, bei der die Namen der Getöteten des 6. Februar 2014 symbolisch verlesen wurden. Ebenso gedachten wir der Opfer von rassistischer Polizeigewalt der letzten Jahre in Deutschland, da sie Ausdruck des gleichen Unrechtssystems sind.

Diese Erfahrungen sind auch prägend für Personen im Umfeld des Menschen.Würdig e.V. In den Momenten des Erinnerns und Trauerns stellt sich natürlich auch die Frage nach den Konsequenzen für die Überlebenden. Entsprechend braucht es eine ausreichende psychologische Versorgung für Geflüchtete in allen Aufnahmeeinrichtungen.

„Die Menschen, die an den Außengrenzen ermordet werden, haben auch mit uns hier in Leipzig etwas zu tun. Das europäische Grenz- und Kontrollsystem wird mit öffentlichen Geldern finanziert. Unsere gewählten Vertreter:innen sind dafür politisch zu verantworten. Und die gleiche rassistische Entmenschlichung die dazu führt, dass Küstenwachen Menschen einfach auf dem Meer ertrinken lassen, ist auch der Grund, warum in Deutschland Menschen of Colour von der Polizei umgebracht werden. Gerade zentrale Unterkünfte, Lager und Abschiebeknäste sind auch immer Orte möglicher rassistischer Gewalt“ erklärten Aktivist:innen auf der Kundgebung. „Deshalb stehen wir in Solidarität mit allen Familien und Freund:innen der Opfer. Jedes Jahr am 6. Februar kommen wir zusammen, um einen gemeinsamen Ort für unsere Trauer zu schaffen. Wir kämpfen für Gerechtigkeit, Wahrheit und Wiedergutmachung, für unsere gemeinsame Menschlichkeit.“

Stand von Menschen.Würdig bei der We’ll come united – Karawane

Im Spätseptember haben wir mit Menschen.Würdig e.V. bei der Karawane für Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte von We’ll come united teilgenommen. Zusammen mit 150 Menschen versammelten wir uns in Grünau zu einem bunten Programm von Musik, Redebeiträgen, Spoken Word und testimonies.

Vor allem kamen Menschen aus den verschiedenen Lagern und Erstaufnahmeeinrichtungen zu Wort. Sie berichteten von den demütigenden Zuständen, in denen sie in Deutschland teilweise Leben müssen, aber auch von Momenten von Gemeinschaft und Solidarität. Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auch auf der Situation in den Herkunftsländern, vor allem Afghanistan, Iran, Syrien und weitere Länder, mit Krisen und Konflikten. Hier schließen wir uns als Menschen.Würdig e.V. voll und ganz an die Forderungen der migrantischen Aktivist:innen an: Deutschland muss sofort alle Abschiebungen in Länder stoppen, in denen grundlegendste Menschenrechte verletzt werden. Zusammen mit der Karawane fordern wir ein echtes Recht auf Asyl, keine Massenabfertigung schon vor den EU-Außengrenzen, wie es immer wieder diskutiert und im Pakt zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) geplant ist.

Auch wenn die aktuelle Situation keinen Anlass zur Freude darstellt, war für uns die Karawane dennoch ein wichtiger Moment, an den sogenannten „Sommer der Migration“ von 2015 zurückzudenken, der in vielerlei Hinsicht auch ein bestimmender Faktor für unsere Vereinsarbeit in den letzten zehn Jahren war. Die vielen dezentralen Initiativen und Aktionen, die auf dem Stadtfest in Grünau aktiv waren, boten außerdem eine ausgezeichnete Gelegenheit für gemeinsames Feiern und Netzwerken. Am Menschen.Würdig e.V.-Stand selbst war es uns ein wichtiges Anliegen, einen Gedenkort für die Menschen anzubieten, die in den letzten Jahren an den europäischen Außengrenzen umgekommen sind. Zusätzlich konnten wir Flyer und Broschüren zu unseren Beratungsangeboten sowohl an interessierte Aktivist:innen als auch an Kiezbewohner:innen verteilen.


Jay, Vereinsmitglied und Aktionsteilnehmerin, beschreibt die Atmosphäre in Grünau wie folgt: „Solche Veranstaltungen tun mir einfach extrem gut. Im Beratungsalltag und bei den ganzen konkreten Fällen, die wir unterstützen, fehlen manchmal Momente, wo wir uns auch mal auf die Schulter klopfen, wo wir kurz innehalten und nachdenken, was wir schon alles gemeinsam erreicht haben. Es war super, in Grünau auch direkt im Stadtviertel angebunden zu sein und auch von den Anwohner:innen viel Zustimmung zu erfahren.“