Vortrag: „Tödliche Realitäten in Sachsen – Zur Dimension rechtsmotivierter, rassistischer sowie anderweitig menschenverachtender Gewalt.“

Tödliche Realitäten in Sachsen – Zur Dimension rechtsmotivierter, rassistischer sowie anderweitig menschenverachtender Gewalt.

Seit 1990 wurden in Deutschland 183 Menschen Opfer rechter, rassistischer oder anderweitig menschenverachtender Gewalt. Allein in Sachsen gab es seit 1990 mindestens 13 Todesopfer und weitere Verdachtsfälle, in Leipzig wurden sieben Menschen von Nazis ermordet, weiterhin bestehen zwei Verdachtsfälle.

Der letzte Mord in Sachsen ereignete sich Ende Mai 2011 in Oschatz. Der Wohnungslose Andre K. wurde von mehreren Männern so schwer zusammengeschlagen, dass er wenige Tage später an seinen Verletzungen verstarb.

Die Veranstaltung will über die rechten Morde in Leipzig aufklären und Kontinuitäten bei dem gesellschaftlichen Umgang mit diesen Morden aufzeigen.

Eintritt frei!

Wann: Mittwoch, 08.05.2013, 18:00 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr)

Wo: Ratssaal, Rathaus Wahren, Georg-Schumann-Straße 357, 04159 Leipzig (Linie 10 & 11, Haltestelle „Wahren“)

in Kooperation mit Engagierte Wissenschaften e.V. sowie der RAA Sachsen e.V. – Opferberatung. Gefördert im Rahmen der Kommunalen Gesamtstrategie „Leipzig. Ort der Vielfalt.“

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Mehr Informationen zu rechten, rassistisch- sowie anderweitig menschenfeindlich-motivierten Morden in Leipzig sind unter folgenden Links zu finden:

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Die Veranstaltung steht auch im Gedenken an Bernd G., der in der Nacht zum 8. Mai 1996 in Wahren von Nazis ermordet wurde:

Bernd G., 43 Jahre alt, wird in der Nacht zum 8. Mai 1996 in Leipzig-Wahren auf offener Straße von drei Neonazis zusammengeschlagen und niedergestochen. Nachdem die Täter auf ihn eingetreten, einen Ziegelstein auf seinen Kopf geschmissen und 36 Mal auf ihn eingestochen haben, stirbt der 43-Jährige schließlich an einem Genickbruch. Die Leiche bringen die Täter per Auto zu einem Steinbruch in Ammelshain und versenken sie im Wasser.
Blut und Kleidungsstücke von Bernd G. bleiben am Tatort zurück, doch die Anwohner_innen kommen nicht auf die Idee, die Polizei zu benachrichtigen. Während die homosexuelle Orientierung des Opfers medial und polizeilich bekannt ist, spielen beim Prozess die politischen und homophoben Hintergründe der Täter keine Rolle. Zwar seien die Angeklagten der rechten Szene zuzuordnen, der Urteilsbegründung des Leipziger Landgerichts zufolge ist Bernd G. jedoch „aus Lust und Laune an körperlicher Mißhandlung” gestorben. Nach einem Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe wird der Haupttäter wegen Mordes zu vierzehneinhalb Jahren und seine Komplizen zu zehn und acht Jahren Haft verurteilt.